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Historisches
Von jeher fühlten sich die Buchdrucker (und ihre anverwandten Berufe wie Setzer, Lithographen etc.) als geistige Elite der Handwerksberufe. Und das sicherlich nicht zu Unrecht, denn der Beruf, sofern er mit Professionalität und Liebe ausgeführt wird, geistige Elite der Handwerksberufe verlangte und verlangt einen hohen Grad an Bildung, Wissen und künstlerisch-ästhetischem Empfinden. In den ersten Jahrhunderten nach der Erfindung der Druckkunst verkehrten die Buchdrucker fast gleichrangig mit der gelehrten Welt, Geistlichen, Akademikern und Studenten. Ihre Bildung und ihr Wissen veranlasste viele Drucker dazu, jeweils in ihrer Zeit, an misslichen Zuständen in Stadt und Land Kritik zu äußern.
In ihren Reihen befand sich immer ein großes "revolutionäres" Potential an Männern, die mehr oder weniger furchtlos mit Hilfe ihrer Druckpressen ihren Unmut "laut" äußerten. Deshalb hatte auch die Obrigkeit immer ein besonders wachsames Auge auf diese "schwarze Gesellschaft". revolutionäres Potential und Trinksitten Vieles von dem, was die Drucker "zunftmäßig" treiben, erinnert an Studentenbräuche. Und wer einmal das Glück hatte, in einer aktiven Studentenverbindung eine Kneipe oder einen Commers zu besuchen, wird feststellen, dass z.B. die Trinksitten noch heute weitgehend übereinstimmen. Das ist umso erstaunlicher, da sowohl die akademischen Verbindungen als auch das Druckerhandwerk seine Sitten und Gebräuche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert haben.
Beiden gemeinsam ist, dass die aus dem Mittelalter stammenden ursprünglichen Bräuche in der Zeit des Barock und Rokoko erstarrten, indem man sie mit strengen Ritualen, hohler Pracht und inhaltsleeren, unendlich langen Reden aufblähte. So wurden damals die Lehrlinge des Druckergewerbes in Form einer schauspielhaften Aufführung mit verteilten Rollen in die handwerkliche Zunft aufgenommen. Pflicht und Tugend wurden in unendlich langen Litaneien immer wieder beschworen. Und wenn man bedenkt, dass zu jener Zeit die Predigten im Sonntagsgottesdienst bis zu 3 Stunden dauerten und z.B. für Verstorbene ewig lange "Leichenpredigten" gehalten wurden (die uns noch heute zu Tausenden in gedruckter Form vorliegen), der kann erahnen, welch eine Tortur ein solches "Depositionsspiel" war oder zumindest sein konnte. Hinzu kam, dass diese Feiern (samt einer Unzahl an Speisen und Getränken) von den angehenden Gesellen bezahlt werden mussten, deren Lebensweg nunmehr mit einem großen Schuldenberg begann, da ungeliebte Depositionsspiele solche Feiern sich in bestimmten Fällen bis zu einer Woche ausdehnen konnten. Maria Theresia verbot deshalb 1777 für die österreichischen Länder diese Sitte. Für die meisten Länder des Deutschen Reiches war allerdings auch die Trinkfestigkeit Voraussetzung für eine zunftgemäße Aufnahme in den Beruf. Als die Französische Revolution 1784 ausbrach und die Revolutionäre versuchten, jedwede Form und Ausübung von Tradition zu beseitigen, schlugen sich die Drucker in ihrer großen Mehrzahl auf die Seite der "Erneuerer" und beendeten die Zeit der ungeliebten Depositionsspiele. Erst als die napoleonischen Heere Europa besetzt und im Würgegriff hielten, besannen sich die Drucker, wie andere auch, im Zuge der "nationalen Erneuerung" auf überkommene Werte und begannen, die Lossprechungsfeierlichkeiten, allerdings in gemäßigter Form, wieder einzuführen. Zunächst waren die Rituale noch sehr unterschiedlich, bis sie sich bis etwa 1850 so angeglichen hatten, dass die noch heute gängige Gautschzeremonie im gesamten deutschsprachigen Raum identisch durchgeführt wurde.
In den Mittelpunkt des Gautschens wurde die Berufung auf Gutenberg, den Erfinder der Druckkunst, gestellt. Er schuf um 1455 die so genannte 42zeilige Bibel. Dieses Buch in zwei Bänden gilt als das teuerste Druckwerk der Erde. Berufung auf Gutenberg Gleichzeitig gehört es auch zu den schönsten Büchern auf der Welt. Nach den alten typographischen Regeln der Buchschreiber gesetzt und gedruckt, gehört die 42zeilige Bibel zu den unvergänglichen Meisterwerken der Kunst. Den Schöpfer dieses Werkes, der damit auch zum Begründer der Buchdruckerzunft wurde, zu ehren und an ihn zu erinnern, steht immer am Anfang jeder Gautschzeremonie.